Großes Interesse bei den Landwirten

Über die Grenzen des Wachstums beim Grund und Boden sprach Norbert Bleisteiner, der Leiter Landmaschinenschule in Triesdorf beim Agrarforum der Raiffeisenbank Kemnather Land - Steinwald eG. (wir berichteten). Der bis auf den letzten Platz gefüllte große Veranstaltungssaal der Bank am Kaiserberg bewies das große Interesse der Landwirte zu der rundum gelungenen Veranstaltung.

 

Vorstand Joachim Geyer, sowie der Landwirtschaftsbetreuer der Bank Christoph Heinl konnten unter den zahlreiche Gästen auch den Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes Ely Eibisch, sowie Kreisbäuerin Christa Söllner und den Geschäftsführer der Raiffeisenmarkt Waren GmbH Josef Scheidler im bis auf den letzten Platz belegten großen Raiffeisensaal am Kaiserberg begrüßen. In seinem zweiten Vortrag ging Norbert Bleisteiner auf die Grenzen des Wachstums bei Grund und Boden ein. Betrug im Jahre 1950 die Weltbevölkerung noch 2,5 Milliarden Menschen, stieg diese bis heute auf 7,35 Milliarden Einwohne an, was nahezu eine Verdreifachung bedeutet. Die landwirtschaftlichen Nutzflächen blieben in dieser Zeit aber nahezu gleich und werden vermutlich immer geringer.

 

Die Verknappung der Energie- und Agrarressourcen befeuern die Bodennachfrage im In- und Ausland, zeigte Bleisteiner die eine Seite der Medaille auf. Sie ist Grundlage für bereits begonnene Spekulationen, da vor allem auch das Interesse der Landwirtschaft verständlicherweise an Grund und Boden steigt. Diese Tatsache ist aber nur ein Punkt, der sich auf jeden örtlichen Einzelbetrieb auswirkt, warnte der Redner eindringlich, den Spekulationen auf diesem Gebiet zu sehr nachzugeben. Die Produkt- und Betriebsmittelschwankungen, sei es durch Einflüsse aus der Wirtschaft, der Politik oder der Rechtsprechung, nehmen ebenso immer mehr zu und wirken sich auf die wirtschaftliche Situation eines jeden Einzelbetriebes genauso aus.

 

Hinzu kommen klimatische Effekte, sowie weitere Rahmenbedingungen, durch die das finanzielle Risiko eines jeden Landwirts mittlerweile viel größer ist als noch vor fünfzig Jahren. Hier ging der Redner, der im Laufe seiner beruflichen Laufbahn im Bereich der Landwirtschaft viel auf der Welt herum gekommen ist, auf die Umsetzung des Thema Pachts in Osteuropa (Ukraine) ein. Dort ist die Pacht an den jeweiligen Ertrag des Bauern, den er aus einen Hektar erwirtschaftet, jeweils viel stärker gebunden. Die Einflussfaktoren auf die Flächenverknappung sind hier wie dort vielfältig, wie der Verzehr von tierischen Produkten im Allgemeinen oder der Extensivierung, auf die der Redner anhand eines Beispiels intensiver einging und Vor- aber auch Nachteile aufzeigte.

 

Auch die Lebensmittelverschwendung nimmt immer mehr zu, zeigte der Redner einen weiteren Einflussfaktor auf. Hier sind mit knapp zwei Drittel oder 6,7 Millionen Tonnen jährlich die privaten Haushalte der Spitzenreiter in Deutschland, noch weit vor der Industrie und den Großverbrauchern (jeweils 17 Prozent) oder dem Handel. Weiter ging der Referent auf den Flächenverbrauch in Deutschland für Baumaßnahmen ein, bei dem alleine vom Jahr 2008 bis 2011 rund 120.000 Hektar an Fläche umgewidmet wurden. Eine Fläche, die ungefähr so groß ist wie Berlin und München zusammen, so Bleisteiner. Hierauf könnte man beispielsweise den Jahresbedarf an Brot für Mehr als 13 Millionen Menschen produzieren.

 

Ein fairer Pachtpreis, aber auch Kaufpreis für landwirtschaftliche Flächen ist aber primär vor allem von den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen vor Ort abhängig, mahnte der Redner immer wieder. Norbert Bleisteiner zeigte anhand des Grenzkostenprinzips, sowie des Ertragswert auf, wie sich dieser berechnet. Der Ertragswert beispielsweise liegt dabei meist unter dem tatsächlichen Verkehrswert, zu dem Grundstücke gehandelt werden. Je größer die Differenz hieraus ist, desto mehr steigt die Spekulationsblase, die irgendwann auch platzen kann, appellierte Bleisteiner an die Vernunft aller daran beteiligten Marktteilnehmer.

Rechtzeitig sich an seine Hausbank wenden, wenn aufgrund der verschiedenen Einflußfaktoren am Markt, wie fallenden Milch- und Fleischerzeugerpreise, sich auf die Liquidität eines landwirtschaftlichen Betriebs auswirken. Diesen Tipp gab der Landwirtschaftsberater Christoph Heinl beim mittlerweile 5. Agrarforum der Raiffeisenbank (wir berichteten). Die zweite Runde für das Liquiditätshilfeprogramm startete hierzu diese Woche und kann ab sofort beantragt werden. Rund 13 Millionen Euro stehen noch für die Zahlung von Beihilfen zur Verfügung. Die von den niedrigen Erzeugerpreisen besonders betroffenen Milch- und Fleischerzeuger können jetzt erneut Anträge für einen Liquiditätszuschuss stellen, so Heinl. Von den insgesamt 69,2 Millionen Euro, die die Europäische Kommission Deutschland zur Verfügung gestellt hatte, bleibt eine Summe von rund 13 Millionen Euro für die zweite Antragsphase abrufbar. Diese dauert vom 22. Februar bis Mitte März 2016. Dabei bleiben die Voraussetzungen, unter denen landwirtschaftliche Betriebe finanzielle Unterstützung in Anspruch nehmen können, unverändert. Antragsberechtigt sind nach wie vor Milch- und Fleischerzeuger, die zur Sicherung ihrer Liquidität ein Darlehen aufgenommen haben und einen Preisrückgang für ihre Produktion von 19 Prozent nachweisen können. Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) hat alle 7.830 Anträge der ersten Antragsphase erfasst, weitgehend bearbeitet und zahlt die bewilligten Beihilfen laufend aus, so der Landwirtschaftsberater der Bank. 6.280 Anträge wurden von Milcherzeugern gestellt, auf Tierhalter entfielen 1.550 Anträge. Regional kamen die meisten Anträge aus Bayern (2.499), Niedersachen (1.894) und Nordrhein-Westfalen (1.203).