Viele Redner gratulierten dem scheidenden Bankvorstand

 

Zahlreiche Ehrengäste und jahrelange Weggefährten kamen zur großen Verabschiedungsfeier der Raiffeisenbank Kemnather Land-Steinwald eG zu Ehren von Bankdirektor a.D. Albert König in das Foyer der Mehrzweckhalle. Bei vielen Grußworten dankten die jeweiligen Redner dem scheidenden Bankvorstand für dessen Verdienste um die Genossenschaft. Der Geehrte zeigte sich sichtlich beeindruckt, kritisierte aber auch die immer mehr zu nehmende Bankenregulatorik und mahnte dabei zur Rückkehr zum gesunden Menschenverstand.

 

 

Bankvorstand Joachim Geyer freute sich eingangs, dass so viele Mitstreiter von Albert König, der nach 46 Jahren in den passiven Teil der Altersteilzeit wechselt, den Weg nach Kemnath gefunden hatten. Im Jahre 1970, als die Fußballweltmeisterschaft in Mexiko mit Brasilien als Weltmeister gerade mal 10 Tage alt war, Willi Brandt Bundeskanzler und Gustav Heinemann Bundespräsident war, begann ein junger damals erst 15-jähriger Auszubildende seinen ersten Arbeitstag bei der Raiffeisenbank Neusorg. Die Zinssätze hatten aus heutiger Sicht ein traumhaftes Niveau, erinnerte Joachim Geyer an das gute alte gesetzliche Sparbuch, das sich damals noch mit stolzen 4,5 Prozent verzinste.

 

Die damalige Ausbildungsvergütung betrug monatlich 249 DM, wobei der damalige Bierpreis für eine Halbe Bier 70 Pfennig oder der Liter Benzin noch 55 Pfennig betrug. Das Arbeiten an Samstagen war damals völlig normal und das Tätigkeitsfeld eines Bankkaufmannes beschränkte sich nicht nur auf normale Bankgeschäfte, sondern auch auf die Mitarbeit im Warengeschäft, erinnerte Joachim Geyer. Der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Johannes Reger hielt anschließend die Laudatio. Er erzählte dabei die Geschichte von einem Wunderkind, das von frühester Jugend mit Weisheiten gesegnet war. Dieses machte sich auf, einen Berg zu besteigen und kam an vielen Straßen und Kreuzungen vorbei, wobei es sich dabei jedes Mal entscheiden musste, ob es links oder rechts gehen wollte.

 

Erst am Ende des Weges sah das Kind all seine verpassten Chancen, aber auch auf das Erreichte durchaus stolz zurück. Als Albert König geboren wurde, war es die Zeit des Wirtschaftswunders, das sich vornehmlich in den Städten abspielte. In unserer Gegend prägte noch die Landwirtschaft die Strukturen und man sprach noch von der Raiffeisenkasse, erinnerte Regner. Im Jahre 1979 legte König die Prüfung zum Diplom Bankfachwirt ab. 1973 endete das Wirtschaftswunder mit der Ölkrise und auch die Raiffeisenkasse wandelte sich. In der Region fand der Strukturwandel in der Landwirtschaft statt und Albert König hatte sich sein Wissen und seine Erfahrungen erarbeitet und damit eine Basis für schwierige Herausforderungen bekommen.

 

Im Jahre 1980 schloss er erfolgreich das bankbetriebliche Hauptseminar ab und wurde 1981 zum Geschäftsleiter bestellt. Den Titel zum Dipl. Bankbetriebswirt (ADG) legte König im Jahre 1993 erfolgreich ab. Bei den großen Fusionen lenkte er 1992 die Fusion zur Raiffeisenbank Kemnath-Neusorg und vor allem 1999 die Fusion zur Raiffeisenbank Kemnather Land–Steinwald mit geschickter Hand mit. Wenn Fusionen gelingen oder scheitern, so Reger, hängt dies nicht so sehr von den Zahlen ab, sondern vielmehr davon, ob die Menschen zusammenpassen und davon diese in die neue Genossenschaft einfügen zu können. Königs Leidenschaft war es dabei immer die Bank als Gesamtes im Blick zu behalten, die Dinge und Fakten zu analysieren, Menschen zuzuhören und dann eine Entscheidung zu treffen.

 

Das Vorstandsmitglied des Genossenschaftsverbandes Bayern Dr. Jürgen Gros, der extra aus München zu Ehren von Albert König angereist war, dankte diesem ebenso. Je tiefer die Wurzeln, desto höher der Baum, bezeichnete der Redner das Wirken des scheidenden Bankdirektors dabei. Dieser habe wie kein Zweiter den Genossenschaftsgedanken nach außen hin gelebt. Bei zwei Bankenfusionen, die König mit kluger Hand mit lenkte, sowie bei der Bankenkrise, bei der die Genossenschaften im Allgemeinen als eine der wenigen Finanzinstitute keine staatlichen Hilfen benötigten, jetzt aber den Preis hierfür mittragen müssen, behielt er als Kapitän bei dem immer größer werdenden Schiff der Raiffeisenbank den Überblick und hielt das Steuer so auf Erfolgskurs.

 

Dr. Jürgen Gros dankte dem Träger der Goldenen Ehrennadel des deutschen Raiffeisenverbandes auch dafür, dass König zusammen mit seiner kompletten Mannschaft den immer schwerer werdenden Rahmenbedingungen trotzten und sich den Herausforderungen des Marktes stellten. Schlagworte wie die neue Wohnimmobilienkreditrichtlinie zerstören zunehmend nicht nur den genossenschaftlichen Solidaritätsgedanken, sondern schwächen auch Strukturen, durch die Genossenschaftsbanken und Sparkassen erst ihre Stärken gewonnen haben, so Dr. Gros. Der Geschäftsführer der Raiffeisen Waren Markt GmbH Josef Scheidler dankte Albert König in seinem Grußwort für die Verlässlichkeit bei den Investitionen in die Lagerhäuser und Baumärkte in seiner Zeit, ebenso wie der Betriebsratsvorsitzende Hans Dumler, der die Wünsche der Belegschaft überbrachte.

 

Bankvorstand Thomas Wirth von der benachbarten Raiffeisenbank im Stiftland dankte vor allem für die damalige Unterstützung im Kreisverband, als aufgrund des dortigen Personalmangels die Kemnather Kollegen den Stiftländern spontan aushalfen und hilfsbereit zur Seite sprangen. Er sagte "Vergelt´s Gott" für die gute Zusammenarbeit im Kreisverband, den König in den letzten fünf Jahren als Kreisvorsitzender anführte. Der Regionaldirektor der DZ Bank Nürnberg Dr. Markus Raab ging in seinem Grußwort auf die zunehmende Digitalisierung ein und die Chancen und Herausforderungen, die sich gerade für regionale Banken hieraus ergeben. Bürgermeister Werner Nickl dankte für die Investitionen, die immer wieder in das Kemnather Bankgebäude erfolgen und so ein Zeichen für Kontinuität und Verlässlichkeit darstellen.

 

Werner Nickl, sowie der Neusorger Bürgermeister Peter König dankten auch für die Jahrzehnte Jahre lange finanzielle Unterstützung in das ehrenamtliche Engagement der Vereine und Institutionen im Kemnather Land, sowie im Steinwald. Peter König, der Bürgermeister der Heimatgemeinde von Albert König, dankte für das Vertrauen vor allem beim Bau des Lagerhauses, sowie des Baumarkts in seiner Gemeinde, der einen deutlichen Beitrag zur städtebaulichen Entwicklung der Kommune beitrug. Der Geehrte zeigte sich bei seinen Abschiedsworten tief beeindruckt. Er dankte ausdrücklich allen Mitstreitern, die ihn in den letzten 46 Jahren begleitet haben. Beispielhaft sprach er dabei seinen Dank an seinen ehemaligen Vorstandskollegen Georg Ziegler aus Immenreuth aus, der für ihn mit seiner ruhigen und besonnenen Art immer eine Vorbildfunktion inne hatte. Er selber habe sich für die Zukunft vorgenommen, bewusster in einer für ihn nun kleineren Welt zu leben.

 

Kritisch ging der scheidende Bankvorstand Albert König bei seiner Verabschiedungsfeier im Kemnather Foyer der Mehrzweckhalle (wir berichteten) mit der überbordenden Regulatorik und Bürokratie aus Brüssel und Berlin um, die vor allem kleinere mittelständische und regionale Banken und Sparkassen belasten. Die Tendenzen, Banken hierbei nur noch nach Kennzahlen zu steuern und anschließend alle über einen Kamm zu scheren, ist der absolut falsche Weg, betonte Albert König. Es fehlt mir heutzutage zu sehr der gesunde Menschenverstand bei der Steuerung von Banken, die durch dieses System aus Brüssel gezwungen werden, alle gleich zu handeln. Es kommt so zu Überbewertungen von eventuellen Risiken, die oftmals zudem auch noch falsch dargestellt werden. Keine Bank ist wie die andere, mahnte der scheidende Vorstand und forderte auf, dies auch laut immer wieder zu sagen. Die anhaltende Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank ist der absolut falsche Weg und wird die Situation später eher nur noch verschärfen. Nach dem Schlusswort von Bankvorstand Robert Haubner, der direkte Nachfolger von Albert König, lud dieser noch zu einem gemeinsamen Essen ein.